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Dainrode im Jahr 1785

Dainrode liegt in einem tiefen Tal in einer ziemlich angenehmen und sommerlichen Gegend. Ein kleiner Bach, welcher von der Dorfschaft Haubern, allwo derselbe seinen Ursprung hat, herkommt, fliest durch das Dorf und nimmt seinen Lauf im Wiesengrund hinunter auf Allendorf. Er ist zwar sehr gering, jedoch bei entstehenden Gewittern und Platzregen richtet er oft großen Schaden an.

Es befinden sich noch 12 Brunnen dahier, woraus die Einwohner ihr benötigtes Wasser haben, sodass alle dieselben, ausser bei trockenen Sommern, an Wasser keinen Mangel haben. Der Bach heget nur wenig Grundeln und Weissfische, welche zu fischen gnädigste Herrschaft berechtigt ist.

Es führet keine Landstraße durch das Dorf, sondern es passieren nur die von Frankenberg nach Wildungen zu Fuß gehenden Reisenden hier durch, woran aber die hiesigen Einwohner weder Nutzen noch Schaden haben.

Befindet sich hierselbst eine Kirche, so ein Filial von der Mutterkirche zu Geimar ist. Der daselbst wohne Pfarrer muß alle 14 Tage des Sonntags darinnen predigen, an allen Fest- und monatlichen Bettage aber müssen hiesige Einwohner zur Mutterkirche gehen. Die Actus ministriales muß der Pfarrer in loco verrichten. Für diese Dienstleistungen erhielt der Pfarrer von Geismar von jedem hauseingesessenen Einwohner 15 albus zu 8 Heller gerechnet, ferner an ständigen Grundzins 1 Gulden 8 alb 4 Heller Geld, 3 Gänse und 4 Hahnen, mit gn. Landesherrschaft den Frucht Zehnten vom Felde, sowohl auch den Blut Zehnten" vom Vieh, jedoch nur vom Schaf-Vieh zur Hälfte. (Der Zehnte wurde bekanntlich als Entschädigung der Kirche für das eingezogene Kirchengut von den Karolingern durch staatliches Gesetz als allgemeine Leistung angeordnet.) Jeder der Fahrvieh hielt, mußte einen halben Tag für den Pfarrer ackern, wer keines hatte einen ganzen Tag Handwerksdienste für ihn verrichten.

Schulverhältnisse

Es gab in Dainrode keine Schule. Dahingegen mußten die Kinder nach Geismar zur Schule gehen. Da aber der Weg zu weit und besonders im Winter zu beschwerlich, so haben sie auf eigene Kosten einen Schulmeister genommen, welcher die Kinder informieren und des Morgens und Abends läuten muß, wofür er alljährlich an Besoldung bekommt: vors Läuten 3 Gulden, von jedem Kind für Winter- und Sommerschule 30 Kreuzer nebst dem gewöhnlichen Schulholz.

Gemeindenutzen

1 Hirtenhaus war Gemeindeeigentum. An Land waren es 2 Acker, an Wiesen und Gärten 11 Acker, an wüsten Trieschen und Triften sind es 71 Acker, woran alle Häuser habende Einwohner zu gleichen Teilen profitieren. Da Dainrode über keinen Wald verfügte, trieben sie ihre Schweine in den Hainaer Wald, wofür jeder Lehnsmann 4 Heller pro Schwein bezahlte.

Mensch und Vieh

44 Pferde, 20 Ochsen, 61 Kühe und 586 Schafe zählte man im Jahre 1785. Die bemerkenswerte große Anzahl von Schafen ist erklärlich aus der Befugnis, soviel Schafe halten zu dürfen als sie ernähren konnten. Die Anzahl der Häuser wird mit 32 angegeben. In ihnen wohnen 43 Männer, 46 Weiber, 50 Söhne, 52 Töchter, 5 Knechte, 15 Mägde, zusammen 211 Menschen. Der Profession nach aufgegliedert waren es 7 Ackerleute, so zugleich Potaschensieder sind, 1 Wirt, 2 Schmiede, 2 Ölmüller und 2 Schäfer. In herrschaftlichem Dienst standen ein Zöllner, 12 Bergknappen, in Gemeindediensten 1 Schulmeister, 1 Vorsteher, 1 Vieh- und Schweinehirt, 1 Tag-Wächter. An Gespannen waren 3 vier-, 8 drei, 14 zwei- und 2 einspännige Geschirre oder Wagen dahier.

Der hauseingesessene Einwohner Adam Geitz betrieb eine Gastwirtschaft, wofür er an Concessionsabgabe 13 alb jährlich abführen musste für jene 12 Ohm Bier und für ein Ohm Brandwein (den er selbst brannte), die die Dainröder vertranken. Eine Zollstätte war ebenfalls in Dainrode, welche aber nur wenige Einkünfte zu verzeichnen hatte. Betrachten wir aber die vielen Dienste und Abgaben, die diese Zeit mit ihnen voll ausgestattet hat, so waren auch die Dainröder nicht auf Rosen gebettet.

Es fällt in Dainrode auf, dass noch soviel von dem Alten erhalten geblieben ist und es wäre eine dankenswerte Aufgabe, wenn die alten Fachwerkhäuser wieder in Farbe gebracht werden könnten, um so auch optisch einen Hauch von dem in die Jetztzeit herüber zu retten, was einmal den Fleiß und die Sparsamkeit der Altvorderen beinhaltet hat. Die 800 Jahre alte Geschichte dieses Dorfes könnte wieder lebendig werden, die letzten 200 Jahre aber bestimmt.

(von Dr. Norbert Schick)



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