Kirche

Die Dainroder wollten ursprünglich eine Fachwerkkirche

Es läßt sich anhand der schriftlichen Überlieferung nicht ermitteln, wann in Dainrode die erste Kirche beziehungsweise Totenkapelle errichtet wurde. Fest steht, dass sich die heutige Kirche auf dem alten Kirchplatz befindet, der zugleich Friedhof war und ursprünglich bis an die Bundesstraße reichte.

Über das Aussehen und die Geschichte der alten Dainroder Kirche wissen wir wenig. Der Zeitpunkt ihrer Erbauung ist unbekannt. Wie aus den wenigen erhaltenen Unterlagen hervorgeht, befand sich die Kirche Ende des 18. Jahrhundert in einem schlechten baulichen Zustand. In einem von Pfarrer Herwig aufgestellten Inventar der Kirchen und Schulen des Kirchspiels Geismar aus dem Jahre 1824 heißt es über die Kirche in Dainrode: Eine sehr baufällige und ganz unbrauchbare Kirche mit einem daraufstehenden kleinen Thurm von gleicher Qualität, eine kleine Glocke.

Kurze Zeit später fiel dann, wohl vor allem auf Druck der Kreis- und Kirchenbehörden, der Entschluss zum Neubau. Am 14. Dezember 1827 übersandte das Marburger Konsistorium eine vom Löhlbacher Zimmermeister Bickhard angefertigte Zeichnung an die kurfürstliche Oberbaudirektion in Kassel. Dem Wunsch der Dainroder entsprechend, hatte Bickhard den Plan zu einer Fachwerkkirche entworfen. Diesen lehnte die Oberbaudirektion jedoch ab. Der Grund für die Ablehnung lag darin, dass man ganz im Einklang mit dem damals vorherrschenden Geschmack – einem Steinbau – eindeutig den Vorzug vor einem Fachwerkbau gab. Demzufolge wurde von dem Baukonduktor Otto Gustav Koppen ein neuer Entwurf angefertigt, diesmal zu einer Kirche in Massivbauweise, die, wie die Oberbaudirektion schrieb, den Bedürfnissen der Gemeinde vollkommen entspreche. In dem gleichen Schreiben wurde das Konsistorium aufgefordert, einen Kostenvoranschlag anfertigen zu lassen.

Das Konsistorium beauftragte nun den Marburger Landesbaumeister Nicolas Arend, einen Kostenüberschlag in zweifacher Weise aufzustellen, einen für eine massive Kirche und einen nach dem Wunsch der Gemeinde in Fachwerkbau. Indes fand Arend an dem Entwurf der Oberbaudirektion Erhebliches auszusetzen. Stattdessen entwarf er ein neues Projekt, welches davon ausging, das untere Stockwerk des Gebäudes aus Stein, das obere hingegen aus Fachwerk zu erbauen.

Am 22. Mai 1829 sandte das Konsistorium den Entwurf an die Oberbaudirektion. Wie nicht anders zu erwarten, war diese im höchstem Maße verärgert über das eigenmächtige Vorgehen des Landesbaumeisters und mehr noch über dessen Kritik an ihrem Entwurf. Dem Unmut darüber ist es wohl vor allem zuzuschreiben, dass sich die Oberbaudirektion mit der vom Konsistorium gewünschten Begutachtung des Arendschen Entwurfs reichlich viel Zeit lies.

Es dauerte bis zum Februar 1830, ehe sich die Oberbaudirektion endlich zu einer Antwort beqemte. Darinn wies sie die Einwände des Landesbaumeistersgegen gegen ihren Entwurf mit aller Entschiedenheit zurück. Dieser sei nicht nur zweckmäßiger sondern überdies auch noch 20 Tahler billiger. Hierauf entschied sich das Konsistorium zum Bau einer Kirche aus Stein.

Als nach zwei Jahren die Genehmigung abgeschlossen war, fiel es der Gemeinde Dainrode plötzlich ein, einen Antrag auf Verkleinerung des Kirchenbaus zu stellen, um die Kosten zu reduzieren. Das neue Projekt, mittlerweile das vierte, stammte von dem Frankenberger Kreiszimmermeister Konrad Bonaker und sah wiederum den Bau einer Fachwerkkirche vor. Indes machte sich die Behörde diesmal gar nicht die Mühe, den Entwurf des Kreiszimmermeisters eingehend zu prüfen, so sehr war sie von den Vorzügen ihres eigenen überzeugt.

Die Akte aus dem Bestand der ehemaligen kurfürstlichen Oberbaudirektion ist die einzige, die sich über den Kirchenbau in Dainrode im Staatsarchiv Marburg erhalten hat. Über die Bauphase selbst gibt es keine Unterlagen mehr.

In kunsthistorischer Hinsicht handelt es sich bei der Dainroder Kirche um einen kleinen zweistöckigen Saalbau aus Werkstein in spätklassizistischen Formen mit einem risalitartig vorgezogenen quadratischen, aus vier Stockwerken bestehenden Westturm, durch den der Zugang in den Innenraum führt. Die Glocke wurde zwei Jahre nach dem Bau der Kirche gegossen und trägt die Umschrift: DAINRODE IM JAHR 1837. GEGOSSEN ZU HOF=SINN VON RINCKER (diese Firma besteht heute noch). Die Orgel stammt aus 1908 und wurde von der Firma Eduard Vogt in Korbach angefertigt.

Der Gemeinde Dainrode ist der Bau einer Steinkirche, der ihr erhebliche finanzielle Opfer abverlangte, damals mehr oder weniger von oben aufgezwungen worden. Dennoch müssen die Dainroder die Entscheidung der Behörden, die Kirche aus Stein zu erbauen, nicht bereuen. Denn ihr Gotteshaus ist ein Schmuckstück.

(Von Dr. Horst Hecker, undatiert.)

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